Gitarre & Bass / Duke TwinSonic

RUOKANGAS DUKE TWINSONIC

Hallo, was will die denn sein? Eine kokette Les Paul Special der 50er Jahre mit einer extra Portion Senf im Lack? Unter dem Label Barndoor Aesthetics stellt Juha Ruokangas sein neues Modell Duke Twinsonic vor – ob er damit wohl offene Scheunentore einrennt?

Der finnische Gitarrenbauer gehört ja bereits seit Jahren zu den eigenständigen Stimmen im Chor der kleinen unabhängigen Gitarrenbauer und ist immer für eine Überraschung gut. Die Duke Twinsonic wendet sich an Spieler, für die Weniger Mehr ist und die auf Retro-Look stehen. Ihr Design wurde auf das Wesentliche reduziert (stripped down package) und soll zu einem erschwinglichen Preis einen muskulösen Rock/Blues-Ton liefern. Juha dazu: „Das ist eine Gitarre, die ich schon lange bauen wollte. Abgespeckt in jeder Hinsicht, bis die reine Essenz übrig bleibt – Einfachheit und rohe Schönheit, aber mit dem gleichen hohen Standard der Verarbeitung gebaut, wie alle unsere Gitarren. Die verwendeten Teile sind erstklassig, lediglich das Glänzende und Dekorative, alles was den Preis hochtreiben könnte, ist weggelassen worden. Ich liebe diese Gitarre!“ Hört, hört – das wollen wir dann doch mal genauer wissen!

KONSTRUKTION
Die Konstruktion ist nicht neu, das Modell Twinsonic basiert auf der Silhouette der Duke, allerdings in einer Ausführung als schlichte Brettgitarre ohne jeglichen Putz. Der Korpus besteht aus zweiteilig gefügter Spanish Cedar. Das ist lediglich ein Handelsname und führt in die Irre, denn weder kommt das Holz aus Spanien, noch handelt es sich um eine Zedernart – wir haben es hier mit Cedrela oder Cedro, einer Gattung der Mahagoni-Familie Meliaceae zu tun (schon wieder was gelernt). Dieses leichtgewichtige mittelamerikanische Holz wird traditionell für Zigarrenkisten und Hälse von Konzert-Gitarren eingesetzt. Auch der Hals der Twinsonic wurde aus Spanish

Cedar dreiteilig gefügt und bekam ein ausgeprägtes V-Profil (Big Soft-V Neck), welches sich, ausgehend vom Kragen unterhalb des Sattels, aufsteigend mehr und mehr entschärft. Zusammengefasst können wir das vorliegende Konzept also ohne Zweifel eine rein- rassige Mahagoni-Konstruktion nennen. Das satte Griffbrett allerdings wurde aus Palisander gefertigt und mit 22 akkurat bearbeiteten, recht hohen Jumbobünden ausgestattet. Cremefarbene Dots markieren die Lagen. Die typische Ruokangas-Kopf- platte mit ihrem Reliefschnitt bekam ein Ebenholzfurnier mit Firmenlogo auf- und Gotoh-Mechaniken angesetzt. Der präzise bearbeitete Sattel besteht aus Elchknochen. Die Assoziation zur LP Special wird zudem auch noch durch die Bestückung mit P-90 Pickups aus Harry Häussels schwäbischer Wickelstube erhärtet. Die DogEars werden von jeweils einem generell ausgelegten Volumen- und Tonpoti kontrolliert. Ein auf die hintere untere Decke platzierter Dreiweg-Schalter dient der konventionellen Anwahl der Pickups; die auf Metallplatte montierte Kabelbuchse findet sich in der unteren Zarge.

Selbst das schwarze Schlagbrettchen ist eine Reminiszenz an die gradlinigen Brett- LPs der guten alten 50s.
Der Tune-o-matic-Steg mit auffällig hoch eingerichtetem Stoptail, ebenfalls in den 50er Jahren erfunden, komplettiert mit Straplocks von Schaller (Gruß von der sicherheitsbedürftigen Moderne) die Aus-stattung. Die Hardware kommt im Übrigen natürlich in Nickel-Ausführung.

Zum Schluss noch der Lack: TV Yellow nannte Gibson diese Farbgebung. Das sieht Juha genau so und brachte sein senfgelbes Nitro-Finish papierdünn auf, ohne das Holz zuvor mit Porenfüller zuzuspachteln. Ergebnis ist eine matte offenporige Lackierung, welche die Holzstruktur gut präsentiert und sich bestens anfühlt.

Natürlich ist die Duke Twinsonic in reiner Handarbeit in Hyvinkaa, Finnland entstanden und lässt den Geist der passionierten Gitarrenbaukunst spüren.

PRAXIS
Das vorgezogene obere Horn gibt der TwinSonic eine perfekte Ausgeglichenheit am Gurt, ihr Gewicht von 3,6 kg ist angenehm, die allgemeine Handhabung problemlos. Der klangliche Tenor überzeugt schon akustisch mit dichter, lebhafter Tonentfaltung. Sofort stellt sich ein Gefühl von Kompetenz und Souveränität ein, das Großes verspricht. Den Beweis dafür gilt es nun elektrisch abzulegen und schon sind wir im Geschäft:

Die Häussel-Pickups machen ihren Job gewohnt kompetent. Der DogEar in Hals-position übersetzt das akustisch so schwingfreudige Tonverhalten der TwinSonic in eine elektrisch starke Klangsprache. Glockenrein und dennoch weich gerundet in den Höhen kommt ein tief und plastisch tönendes Akkordbild zu Gehör, das lange und gleichmäßig ausschwingt. Die Pole-pieces sind in der vorgegebenen Einstellung recht weit von den Saiten entfernt, was die angenehm zurückhaltende, aber doch transparent harmonische Darstellung fördert. Sinn macht das vor allem als Gegenpart zum Steg-Pickup, wie wir später noch sehen, bzw. hören werden. Spielraum für eine direktere Tonabnahme durch das Herausschrauben der Polepieces ist natürlich auch noch gegeben.

Gehen wir in den Zerrmodus, so lässt sich atemreiches, dynamisch per Anschlag bestens steuerbares Melodiespiel in Szene setzen. Jetzt schmeckt es nach Blues und traditionellem Rock – allerdings in einer tiefen originären Klangsprache. Das ausdrucksstarke Timbre ergibt sich aus der obertonreichen Tonentfaltung der Konstruktion, die von Häussels Einspulern authentisch in Klang gewandelt werden. Das Hundeohr am Steg ist der Gegenpol zum eher soft und geschmeidig tönenden Hals-Pickup, denn er wartet mit aufreizen- der Präsenz und Schlagkraft auf. Knochen- trocken in den Bässen und den Höhen-Peak scharf akzentuierend eignet er sich natürlich für rhythmisch pfeffriges Begleitspiel in klaren Amp-Einstellungen, allerdings verlangt er unüberhörbar fordernd nach dem

Einsatz im härteren Rock‘n’Roll-Geschäft.
Unter Zerrbedingungen zeigt er uns dann auch sofort, was eine Harke ist.

Der eben noch lässig knurrende Löwe reißt sein Maul jetzt gefährlich weit auf. Was dann aufs Trommelfell trifft, ist klassischer Rock-Sound pur, der jedoch keineswegs angestaubt klingt. Wer majestätisch sägende Akkorde à la Green Day liebt, der fällt sowieso rückwärts um vor Glück. Dieses Saften und Krachen demonstriert wieder einmal bestmöglich, wie effektiv, unnachahmlich und letztlich unersetzlich doch das gute alte Prinzip der elektromagnetischen Tonwandlung ist. Im besten Sinne elektrisch reitet man diesen eingefangenen Blitz, der sich von unseren Fingern wie selbstverständlich formen lässt und uns dennoch dabei kräftig in den Arsch tritt. Diese pumpende Dynamik, mit der sich Power-chords per Anschlag aufreizen lassen, dieses leichte Abheben vom Boden, das Luft unter die einzelnen Töne bläst – Grandios!

Der Umstieg vom Hals-Pickup zum Bruder am Steg gleicht dem gedämpften Fahrverhalten einer Familienkutsche im Verhältnis zu einem Formel-1-Boliden. Diese tendenziell konträren Grundpositionen lassen sich unter anderem bestens ausreizen, um schnelle Wechselmanöver zwischen klaren Strophen- und aggressiven Refrain-Sounds ins Werk zu setzen. Als Bonus springt dann noch der klangliche Spagat der zusammen- geschalteten Pickups ins Feld und das bietet mehr als die Summe seiner Teile, denn dieser Kombi-Sound überzeugt mit einem frechen und unerwartet speziell tönenden Mischverhältnis der beiden Pickup-Brüder, das sich in klaren, wie auch in verzerrten Amp-Einstellungen als potente Alternative anbietet.

Noch ein Wort zur Spieltechnik: das V-Profil ist nicht jedermanns Sache, klar, aber wenn schon eines, dann dieses. Das ist nämlich aufsteifend derart weich auslaufend gestaltet, dass nie ein Gefühl von Eckigkeit entsteht. Eher stellt sich das Spielgefühl eines recht dicken Halses ein, dem jedoch all seine hinderliche Plumpheit genommen wurde. Dann ist auch noch die hohe Bundierung mit Jumbobünden zu loben, auf denen das Bending wie auf geölten Kufen gleitet. Halsprofil wie Bundierung bewegen sich allerdings oberhalb der etablierten Mitte und obliegen der persönlichen Empfindung/Überprüfung.

RESÜMEE
Juha Ruokangas weiß einfach, was er tut! Seine Adaption des gradlinigen Designs der frühen Gibson-Ära wird mit stattlichen Ergebnissen belohnt. Mit der Duke TwinSonic ist ihm in jeder Hinsicht ein bemerkenswert ausdruckstarkes Instrument gelungen. Die DogEar-Singlecoils von Harry Häussel, Hauslieferant von Ruokangas, setzen die akustisch formidablen Klang-eigenschaften der Gitarre in adäquate elektrische Sounds um.

Präzises Attack-Verhalten und dynamische Steuerung des Tons über den Anschlag machen differenziertes Spiel zum Vergnügen und Freunde des V-Profils kommen mit der geglückten, hoch angenehmen Formgebung voll auf ihre Kosten. Dieses Hals-Shaping scheint neben einer guten inneren Festigkeit auch dem Schwingverhalten und der Tonsubstanz nur Gutes zuzufügen. In Summe geht die Rechnung der Reduktion auf das Wesentliche unter der Verwendung bestmöglicher Zutaten glücklich auf. Dieses Instrument verfügt über immense Schlagkraft und Klangpotenz. Tolle Gitarre!

ÜBERSICHT
Fabrikat: Ruokangas 

Modell: Duke Twinsonic

Herkunftsland: Finnland

Typ: Solidbody Electric

Mensur: 628 mm

Hals: Spanish Cedar (Cedro), dreiteilig, Palisandergriffbrett, 22 Bünde

Halsform: Big Soft-V 

Halsbreite: Sattel 43,5 mm; XII. 52,0 mm

Halsdicke: I. 23,5 mm; XII. 25,0 mm 

Korpus: Spanish Cedar (Cedro)

Oberflächen: TV Yellow, dünne Nitrolackierung

Tonabnehmer: 2× Harry-Häussel- P-90-DogEar-Pickups 

Bedienfeld: 1× Volume, 1× Tone, Dreiweg-Schalter
Steg: Tune-o-matic, Stoptail 

Sattel: Elchknochen

Hardware: vernickelt 

Mechaniken: Gotoh

Gewicht: ca. 3,6 kg

Linkshandmodell: Ja

Getestet mit: Fender Pro Reverb, Marshall JTM 45, VOX AC30 

Vertrieb: Ruokangas Guitars

Testinstrument von Musikhaus Jever; www.custom-guitars-and-amps.com

Plus
• Konzeption

• Hölzer

• Halsprofil 

• Pickups

• Sounds

• Lackierung & Spielgefühl

• Verarbeitung

Text Franz Holtmann

Gitarre & Bass, No.9 September 2007

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