Gitarre & Bass / Steambass Fretless

RUOKANGAS STEAMBASS FRETLESS

A fretless bass is not simply “a bass without frets”. A fretless bass is very sensitive to the characteristics of the wood species, whereas a bass with frets is less sensitive, by comparison.

Ruokangas instruments are known for their responsive and strongly resonating sound, which of course is a promising base for an outstanding fretless with it’s characteristic tone. And it’s even more astonishing that Juha Ruokangas hasn’t made a fretless bass until now! So we are indeed allowed to approach with high expectations this first attempt, that comes to us for a review directly from Frankfurt Musikmesse.

CONSTRUCTION
The Steambass is made in a classical manner with a massive two-piece body and a bolt-on maple neck. The more refined details are decisive here. In addition to the perfect workmanship, the visual quality of the selected tonewoods stand out against the mass of similarly constructed basses. The Rock Maple used for the neck is not only solid quality, but furthermore thermo-treated in a special way. The earlier test of the Ruokangas Steambass Deluxe (Gitarre & Bass 09/2011) has shown in such a striking way that this treatment does improve the resonance – and for this reason the Deluxe got the high ranking of masterpiece.

Our Fretless Steambass here has a deep black ebony fretboard with clearly visible markers up to the 12th position. Above the 12th position the markers continue under the high strings – looks cool and makes sense for playing accurately in the upper positions. The back of the neck is lacquered with satin nitro whereas the body is finished with high gloss polyurethane.

EQUIPMENT
A good fretless bass doesn’t need any gimmicks to show it’s characteristic tone – a set of high quality Alnico singlecoils by Harry Häussel makes sure that all nuances are represented. No active components here, and as on a classic Jazz Bass there are two seperate volumes and a tone pot. 

The open tuners by Gotoh are the perfect choice for the traditional style of the instrument. Ruokangas has chosen to use a “spartan” Gotoh by Wilkinson bridge design with only two brass saddles, each of them shared by two strings. A closer examination however reveals finer details – releasing the central clamping screw of each saddle one can tilt the angle of the saddle and adjust precise intonation for each string. The bridge looks simple, but it supports a good sustain without suppressing the lively attack.

PRACTISE
The tuners by Gotoh with their adjustable tension and big knobs keep the bass in a Fender-like horizontal position, which is not problematic, cause this long scale bass with it’s 4,3 kg is no lightweight and as a result the bass is well balanced. The slim neck with it’s Jazz Bass dimensions feels comfortable and familiar in an outstanding quality with all the ergonomics of the great classic. Concerning the sound, the Steambass Fretless is as expected an absolute top instrument with an unbelievably stable and full sustain. The sound has breathtaking warmth in it, yet with the necessary presence – an expressive tone with no weaknesses in any position – well done! From a characteristic Jaco Pastorius sound in the bridge position to the rich and well defined tone of both pickups together to the bassy warmth of the neck pickup alone – the quality shows everywhere. The Steambass is pure fun to play and you don’t need be a virtuoso to get first class results from this Ruokangas bass!

SUMMARY
The classical and cultivated Steambass does not flaunt with superficial features. Indeed this is a high-end fretless bass with no compromise. It’s strength comes from the perfect choice of the materials and the outstanding workmanship. The resonant, precise tone and the endless sustain are absolutely breathtaking. The singlecoils by Harry Häussel are the perfect choice to transfer the resonance of the wood construction with fine detail and presence. A dream bass!

Text DIRK GROLL
Fotos DIETER STORK

Gitarre & Bass, Juni No.6 2012

ORIGINAL ARTICLE IN GERMAN:

STEAMBASS FRETLESS RUOKANGAS

Ein Fretless ist nicht einfach ein normaler Bass, bei dem die Bundstäbchen weggelassen wurden. Klanglich reagiert er nämlich ungleich sensibler auf die Eigenschaften der Hölzer, wo ein bundiertes Modell sich vergleichsweise unempfindlich verhält.

Ruokangas-Instrumente sind für ihr betont resonantes Klangverhalten bekannt, was natürlich eine vielversprechende Grundlage für einen tollen Fretless ist, der ja von einem charakterstarken Schnurrton lebt. Umso erstaunlicher, dass Juha Ruokangas bislang noch nie einen bundlosen Bass gebaut hat! Man darf mit hohen Erwartungen an dieses Erstlingswerk herangehen, welches wir direkt von der Frankfurter Musikmesse zum Testen bekommen haben.

KONSTRUKTION
Gebaut ist der Steambass nach klassischem Muster, mit einem zweiteiligen Massivkorpus aus Erlenholz und einem aufgeschraubten, einstreifigen Ahornhals. Entscheidend sind allerdings die feineren Details, neben der perfekt akkuraten Verarbeitung ist es insbesondere die sichtbar ausgesuchte Qualität der Hölzer, die diesen Viersaiter aus der Masse ähnlich konstruierter E-Bässe her- aushebt. Beim Halsahorn fallen zudem noch die ungewöhnlich kontrastreich abgesetzten Jahresringe auf, die auf ein offenes “Geheimnis” hindeuten. Denn der Rock Maple ist nicht nur eine besonders harte Qualität, sondern zudem noch thermobehandelt. Ursprünglich ist das Thermowood vor allem für Außenanwendungen gedacht, weil es besonders witterungsbeständig ist – was ja auch bei einem Basshals kein Nachteil ist. Nebenbei hat sich allerdings herausgestellt, dass die Wärmebehandlung auch dem Schwingungsverhalten gut tut, was der Steambass Deluxe im Test in Ausgabe 09/2011 so imposant vorführen konnte, dass er gleich den Rang eines Meisterstücks erwarb.

Unser Fretless besitzt ein Griffbrett aus tiefschwarzem Ebenholz, bei dem relativ breite und auch von der Flanke aus deutlich sichtbare Markierungen alle Lagen bis zur Oktave markieren. Oberhalb der zwölften Lage werden die Fretlines unter den hohen Saiten weitergeführt, weil das cool aussieht und für intonationssaubere Ausflüge in die obersten Lagen sinnvoller ist. Die Halsrückseite ist griffig seidenmatt mit Nitrolack versiegelt, während der Korpus hochglänzend mit Polyurethan lackiert wurde.

AUSSTATTUNG
Ein guter Fretless braucht im Grunde keine aufwendigen Sperenzchen, um seinen Charakterton elektrisch rüberzubringen – ein Set hochwertiger Alnico-Singlecoils von Harry Häussel sorgt dafür, dass alle Feinheiten und Nuancen übertragen werden. Auf aktive Komponenten wird hier verzichtet, wie beim Jazz Bass stehen hier zwei separate Volume-Regler und eine Höhenblende bereit.

Zum generell traditionellen Stil des Instruments passen die offenen Stimmmechaniken, wobei freilich extrasolide Gotoh-Präzisionsteile mit nachstellbarer Gängigkeit verwendet werden. Als Steg hat sich bei den Ruokangas-Bässen eine betont spartanische Konstruktion mit nur zwei Duo-Saitenreitern aus Messing bewährt. Bei näherer Untersuchung offenbart dieser Gotoh-Steg jedoch einige Finessen, denn nach Lösen einer mittigen Klemmschraube lässt sich ein solcher Saitenreiter ggf. auch schrägstellen, um für jede Saite Oktavreinheit zu gewähren. Obwohl die Konstruktion ausgeschlossen schlicht aussieht, vergrößern die Duo- Saitenreiter gegenüber einer individuellen Lösung dezent die Masse, was einer gesunden Sustain-Entwicklung entgegenkommt, ohne den lebendigen Attack zu verschlucken.

PRAXIS
Die arretierbaren Gotoh-Gurthalter halten den Bass wegen der großen Köpfe auch mit normalem, ungesichertem Gurt zuverlässig fest. Er hängt im Fender’schen Sinne ausgewogen, strebt also leicht zur Waagerechten. Problematisch ist das überhaupt nicht, zumal der Longscale-Viersaiter mit 4,3 kg kein Leichtgewicht ist und der Schwerpunkt tief im Erlekorpus liegt. Auch der schlanke Hals fühlt sich vertraut an, was wegen der Jazz-Bass-Maße kein Wunder ist. In gepflegter Qualität bekommt man also die Ergonomie des großen Klassikers geboten. Klanglich ist der Fretless – nicht weniger wurde erwartet – ein absoluter Spitzenbass mit außergewöhnlich resonanzstarkem Ton und einem sagenhaft stabilen und spektral fülligen Sustain. Verblüffend warm und zugleich präsent liefert er einen ausdrucksstarken Charakterton und zeigt dabei in keiner Lage Schwächen – nicht schlecht für einen ersten Fretless-Versuch! Vom knorrig-durchsetzungsstarken Jaco-Sound aus der Stegposition über einen satten, definierten Sound mit beiden Pickups bis hin zum bassig-präsenten Klang des Halstonabnehmers zeigt das wertige Instrument in allen Einstellungen Klasse. Die hochgezüchtete Vintage-Kultur beschert Spielspaß pur, und man muss kein Fretless-Virtuose sein, um mit dem Ruokangas erstklassige Ergebnisse abzuliefern!

RESÜMEE
Klassisch und kultiviert gibt sich der Steambass und protzt nicht mit vordergründig hochgezüchteter Attitüde. Tatsächlich ist er allerdings ein kompromissloser Highend-Fretless, der seine Stärken aus den Grundwerten schöpft, nämlich den ausgewählten Zutaten, der perfekten Verarbeitung und der harmonischen Abstimmung. Geradezu atemberaubend ist seine resonante, präzise Tonansprache und das breitbandige Endlos-Sustain, wobei die spitzenmäßigen Schwingungseigenschaften der Holzkonstruktion von den Häussel-Singlecoils in allen Details und mit einem feinen Plus an Präsenz übertragen werden. Ein Traumbass!

ÜBERSICHT
Fabrikat: Ruokangas

Modell: Steambass Fretless

Typ: E-Bass mit Massivkorpus

Herkunftsland: Finnland

Mechaniken: vernickelt; offene Gotoh WB11Tuner, Gotoh WB2P Steg, arretierbare Gotoh Gurthalter

Hals: einstreifig Ahorn, thermobehandelt

Griffbrett: Ebenholz, 20 Lagen mit kurzen Fretlines

Halsbreite: Sattel 39,6 mm, XII. 57,5 mm

Bünde: Fretless-Griffbrett

Mensur: 863 mm, Longscale

Korpus: zweiteilig Erle

Oberflächen: Hals seidenmatt, Korpus hochglänzend lackiert

Tonabnehmer: passiv; 2× Häussel J-Singlecoil

Elektronik: passiv

Bedienfeld: 2× Volume, 1× Höhenblende

Saitenabstände Steg: 19 mm

Gewicht: ca. 4,3 kg

Lefthand-Option: auf Anfrage 

Vertrieb: Musikhaus Jever, 26441 Jever
www.musikhaus-jever.de 


Zubehör: Hiscox Hardcase

PLUS
• Klangverhalten
• Ansprache
• Schwingfreude
• Elektroklang, feine 
Detailliertheit
• Ausstattungsqualität
• Verarbeitung
• Hölzer


MINUS
• Erhöhtes Gewicht

Text DIRK GROLL
Fotos DIETER STORK

Gitarre & Bass, Juni No.6 2012

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