Gitarre & Bass / Hellcat Artist

gitarrebass_2008

HELLCAT ARTIST / CONCLUSION

With the Hellcat Artist, Juha Ruokangas offers another design of splendid craftsmanship and superb functionality. The guitar is great for the virtuoso player.

Harry Häussel has made the 2 humbuckers TOZZ XL and VIN+, the perfect fitting pickups for this guitar. Everything is there: the power, distinct attack, transparency, aggression and of course sustain ’til doomsday. You will have to agree with Juha Ruokangas: his shop does have something to offer for the shredders and all the rest of the metal and hardrock players! Outstanding in it’s genre!

OVERVIEW
Brand: Ruokangas
Model: Hellcat Artist
Country of Origin: Finland
Type: Solidbody Electric
Scale Length: 648 mm
Neck: Spanish Cedar, One-piece, Neck-through-body-construction
Neck Profile: Flat Wide C
Neck Width: At nut 43,5mm; XII. 23,1mm
Neck Thickness: I. 21,1mm; XII. 23,1mm
Body Wood: Spanish Cedar
Finish: Purgatory High-gloss Lacquer
Pickups: Harry Häussel Humbucker VIN+ (Neck), TOZZ XL (Bridge), Cheramic-Magnet
Electronics: 1x Volume, 1x Tone (Push/Pull), 3-way Switch
Bridge:Gotoh GE1996 Floyd Trem
Nut: Locking Nut, Metal
Hardware: Black Chrome
Tuners: Gotoh
Weight: Approx. 3,4 kg
Tested With: Marshall JTM45, Suhr Badger 18, Vox AC30
Sales: Musikhaus Jever
D-26441 Jever
www.musikhaus-jever.de

By Franz Holtmann

Gitarre & Bass, No.12 2008

THE ORIGINAL REVIEW IN GERMAN:

HELLCAT ARTIST – RUOKANGAS GUITARS

Gitarrebass_2008_1Wieso denn Katze? Heißt das nicht Höllenhund? Tja – dann gab es da noch einen schnellen wendigen Jagdpanzer und ein amerikanisches Jagdflugzeug gleichen Namens im WW2. Die Assoziation mit Kampfgerät ist also wohl gewollt und kommt nicht von ungefähr. Der Finne Ruokangas zählt auf jeden Fall zu den sehr interessanten europäischen Gitarrenbauern und ist immer wieder für eine Überraschung gut.

Seit dem Frühjahr ’08 bietet Juha Ruokangas das Hellcat-Modell als Modern Soloist Style Electric Guitar in der Standard- und Artist-Version an. Die Hellcat Standard kommt mit Erlenkorpus und aufgeschraubtem Ahornhals; die Hellcat Artist mit durchgehender Halskonstruktion aus Spanish Cedar. Juha: „Ich bin selbst in den 80ern aufgewachsen, als diese Art von Shred Revolution begann und meine Teenager-Jahre habe ich damit verbracht, Bands wie Van Halen und viel verschiedenes Hardrock-Zeugs zu hören. Seit langem wollte ich schon eine Gitarre für dieses Genre entwerfen. Ich denke, unser Shop hat Shreddern und allen Arten von Hard Rock/Metal-Spielern etwas zu bieten.“

KONSTRUKTION
Die Konstruktion mit durchgeführtem Hals gehört zum Repertoire des gehobenen elektrischen Gitarrenbaus. Ihr wird aus guten Gründen ein besonders organisches Schwingverhalten nachgesagt, ein glattes und sattes Sustain, das je nach verwendetem Material die Entfaltung von starken Obertönen begünstigt. Die Hellcat Artist verfügt über einen durchgehenden Hals aus Spanish Cedar – der Handelsname ist allerdings irreführend, denn dieses Holz kommt weder aus Spanien, noch ist es Zeder. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Art aus der Familie der Mahagonigewächse und stammt aus Südund Mittelamerika. Aus einem gerade gewachsenen Stück dieses Materials wurde also hier der Hals mit Korpuskern gefertigt, die Seitenteile aus dem gleichen Holz angeleimt. Darauf setzte Juha eine Decke von etwa 5 mm Stärke aus zweiteilig spiegelgleich gefügter, attraktiv gemaserter Arktischer Birke, deren lediglich klar lackierte Ränder die Purgatory (Fege- feuer) genannte Farbgebung im leichten Sunburst-Stil wirkungsvoll hervorheben. Die Decke ist von weitgehend planer Oberfläche, aber in Höhe der Armauflage gibt es eine den Komfort fördernde Abflachung, für die das Deckenholz unter Hitze in Form gebogen wurde. Eine Entsprechung dazu ist in dem kräftigen Konturschnitt auf der Rückseite oben für die bequeme Anlage am Spieler zu finden. Auch der Übergang vom Hals in die Korpusebene erfuhr eine großzügige halbmondförmige Ausarbeitung, um den hohen Griffbrettbereich für die greifende Hand zu öffnen.

Gitarrebass_2008_2Als Griffbrett fand Ebenholz Verwendung, in das 24 Jumbobünde aus so gut wie verschleißfreiem und immer blitzblankem Stainless Steel sauber gesetzt wurden. Lediglich Dots auf der Sichtkante dienen der Griffbrettnavigation; ein stilisiertes „R“ für Ruokangas markiert den 12. Bund. Ansonsten herrscht die stilvolle Klarheit eines unverzierten Griffbretts vor. Die Hockeyschlägerform des Kopfes mit innerem Reliefschnitt aus aufgesetztem Ebenholz ist ebenfalls eine Frage von Stil, weniger von Notwendigkeit, aber elegant gemacht. Die hervorstehenden Teile dieser Kopfplatte wurden natürlich angesetzt. Gotoh-Mechaniken mit kleinen Griffen, der von einem Ebenholzplättchen verschlossene Zugang zum Halsstab und ein Klemmsattel sind hier weitere Ausstattungsmerkmale.

Letzterer gehört natürlich zu einem Vibrato-System und das kommt von Gotoh. Das an drei Federn aufgehängte GE1996 Floyd Trem mit Zweipunktansatz im Messerkantenprinzip verfügt natürlich über Feinstimmer und einen kleinen massiven Messingblock. Die Fräsung auf der Decke wurde mit Filz ausgelegt.

Die Elektrik der Hellcat Artist umfasst zwei leistungsstarke Humbucker von Harry Häussel (Tozz XL/Vin+), die über einen Dreiweg-Schalter einzeln oder zusammen in Betrieb genommen werden. Ein jeweils generelles Volume- und Tone-Poti, das letztere mit Push/Pull-Coilsplit-Funktion, dienen der Verwaltung. Ein Blick ins großzügig bemessene Elektrikfach zeigt saubere Verarbeitung der seriösen Komponenten und Bemühungen um effektive Isolation (Isolier- lack, Kupferfolie).

Wie immer ist die Arbeit der Ruokanga-Familie in Summe von großer Detailgenau- igkeit und gitarrenbauerischer Ambition erfüllt. Konstruktion und Durchführung las- sen kaum Wünsche offen.

PRAXIS
Die Hellcat Artist wiegt ca. 3,4 kg, liegt bestens am Körper, hängt ausgewogen am Gurt und gewährt gute Griffbrettaufsicht. Das Halsprofil wurde ganz ordentlich breit und eher flach mit optimal verrundeten Schultern gestaltet, besitzt aber doch noch Fleisch genug, um dem Daumen der greifenden Hand genügend Stützfläche zu geben und auch dem Ton noch einiges zuzugeben. Das nur flach gerundete glatte Griffbrett mit seinen blanken Bünden aus Stainless Steel greift sich grundsätzlich gut an und lässt Bendings wie auf Schienen laufen. Da weiß man doch gleich, wo es langgeht!

Der akustische Basis-Sound ist geprägt von satter Strahlkraft. Die Bässe und Tiefmitten knurren sehr schön am Bauch, Akkorde verfügen über eine gesunde harmonische Stimmverteilung und schöne Offenheit. So muss es sein! Kabel rein und den Amp hochgefahren: Beide Pickups arbeiten mit keramischen Magneten und vermitteln große Kraft und Präsenz schon in klaren Einstellungen. Voll, rund und tief greifend kommen Akkorde zu Gehör. Das Sustain ist wie erwartet grandios. Lang und gleichmäßig schwingen die Saiten aus, harmonische Obertöne steigen auf. Der Hals-Pickup VIN+ (ca. 10,5 kOhm) besitzt bei aller Klarheit in der Darstellung eine enorme Wucht. Der Humbucker am Steg TOZZ XL überrascht trotz seines hohen Outputs (gut 18,5 kOhm) mit verblüffend offenen Höhen und bemerkenswert ausgewogener Übertragung von Akkorden. Unangenehme Verengungen im Klangbild durch übermäßige Kompression gibt es hier nicht und das ist den Keramik-Magneten und Harrys ausgefuchster Technik beim Wickeln des Drahtes zu danken („I hab viel damit rumg’macht damit die Höhe nicht abkacke!“).

Mit gezogenem Tone-Regler (Coil Split) werden lediglich die jeweils hinteren Spu- len der Pickups geschaltet und das Klangbild ändert sich fundamental. Der volle Sound der doppelten Spulen erscheint nun kräftig ausgekämmt in den Mitten und Bässen. Die Höhen bekommen immense Schärfe und gnadenlosen Biss. Nehmen wir nun aber den Tone-Regler beim Wort, so lassen sich die harschen Spitzen bestens begrenzen und der Ton wird geradezu elegant, ohne sich gleich zum muffeligen Weichspüler zu wandeln. Sehr schön!

Gitarrebass_2008_3Jetzt aber zum Kernbereich dieser Gitarre und der heißt HiGain. Diese Pickups von Harry Häussel sind grundsätzlich laut und druckvoll, behalten aber ihrer Materialwahl wegen immer große Transparenz. Das zahlt sich in großartigen Klangbildern aus, die saftig zerrend eine ungeheure Plastizität im Akkordspiel liefern, solange man auf Akkorderweiterungen verzichtet, klar. Aber Powerchords, auch Dreiklänge schieben dermaßen druckvoll und federnd aus den Speakern, dass es die reine Freude ist. Das gilt für beide Pickups, natürlich mit der entsprechend charakteristischen Einfärbung ihrer Abnahmeposition. Mit beiden Tonabnehmern lassen sich bei bedämpft gespielten Saiten auch wunderbar perkussive Sounds erreichen, die unter den Händen vor lauter gebremster Energie förmlich wegplatzen wollen. „Meine Vision der ultimativen Shred-Gitarre“ nennt Juha seine Hellcat und die bleibt keine Utopie, sondern nimmt eine sehr konkrete Gestalt an. Kommen über den Hals-Humbucker grandios singende Linien in die Welt, so steht ihm der Kollege am Steg kaum nach, legt noch einen drauf. Von rasiermesserscharf bis endlos aus der Mitte heraus singend (Tone-Regler runtergedreht) ist hier alles drin. Bei schnell gespielten Linien wird das Tonmaterial themengemäß, aber stilvoll zerfetzt. Hier lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Solo heiß abreißen.

Nimm nun noch dies: Wer eine Gitarre mit Floyd-Rose-Vibrato-System will, der weiß, worauf er sich einlässt. Auch wenn die Meinungen zu dieser Wackeleinheit grundsätzlich auseinandergehen, so liefert doch fast nichts eine so hohe Stimmstabilität wie das Floyd Rose mit Klemmsattel, und die Gotoh-Version verfügt neben den wesentlichen Baudetails (gehärtete Bodenplatte und Stahlsättel) über eine verbesserte Befestigung des Arms, der sich nach Bedarf fixieren und in der Höhe einstellen lässt. Erkaufen muss man sich die guten Eigenschaften allerdings mit einem etwas eckigen Metallsattel und den hoch stehenden Feinstimmern, was letztlich eine Frage der persönlichen Spieltechnik bleibt. Kritiker bemängeln auch das etwas träge Ansprechverhalten durch die große freistehende Metalleinheit, aber das schlug bei der Hellcat kaum zu Buche und alles andere bleibt auf den persönlichen Stil und Anspruch abzuprüfen.

ÜBERSICHT
Fabrikat: Ruokangas
Modell: Hellcat Artist
Herkunftsland: Finnland
Typ: Solidbody Electric
Mensur: 648 mm
Hals: Spanish Cedar, einteilig, Neck-Through-Body-Konstruktion, Ebenholzgriffbrett, 24 Bünde
Halsform: flaches breites C
Halsbreite: Sattel 43,5mm; XII. 53,4 mm
Halsdicke: I. 21,1mm; XII. 23,1 mm
Korpus Seitenteile: Spanish Cedar
Oberflächen: Purgatory hochglanzlackiert
Tonabnehmer: Harry Häussel Humbucker VIN+ (Hals), TOZZ XL (Steg), Keramik-Magnete
Bedienfeld: 1× Volume, 1× Tone (Push/Pull), Dreiwegschalter
Steg: Gotoh GE1996 Floyd Trem
Sattel: Klemmsattel, Metall
Hardware: Black Chrome
Mechaniken: Gotoh
Gewicht: ca. 3,4 kg
Linkshandmodell: Ja klar, auf Anfrage
getestet mit: Marshall JTM45, Suhr Badger 18, Vox AC30
Vertrieb: Musikhaus Jever
D-26441 Jever
www.musikhaus-jever.de

RESÜMEE
Mit der Hellcat Artist legt Juha Ruokangas ein weiteres Design von superber Bauweise und hoher Funktionalität vor. Die Gitarre ist für den virtuosen Musiker geschaffen und öffnet sich mit großem Tonumfang, potenter Elektrik und stimmstabilem VibratoSystem der artistisch orientierten Spielkunst. Harry Häussel hat mit seinen Humbuckern TOZZ XL und VIN+ die absolut richtigen Pickups für diese Gitarre geliefert. Das Klangkonzept wird optimal unterstützt, alles ist da was man sich in diesem Zusammenhang nur wünscht: Kraft, klare Ansprache, Offenheit, Aggression und natürlich Sustain bis zum Horizont. Da kann man Juha Ruokangas einfach nur Recht geben. Sein Shop hat Shreddern und allen Spielern metallischer oder hart rockender Stilistiken wirklich was zu bieten! Hervorragende Genre-Gitarre!

PLUS
-Design
-Konstruktion
-Tonhölzer/Hardware
-Schwingverhalten/Sustain
-Pickups
-Sounds
-Hals
-Handhabung
-Verarbeitung

Franz Holtmann

Gitarre & Bass, No.12 2008

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